Erstmals seit dem im Januar ausgebrochenen Gaskonflikt haben sich der russische Regierungschef Wladimir Putin und die ukrainische Amtskollegin Julia Timoschenko gemeinsam an einen Tisch gesetzt. Obwohl sich die beiden Länder wieder angenähert haben, birgt der Konflikt noch immer reichlich Zündstoff: Russland fordert für sich das Mitspracherecht bei der Modernisierung ukrainischer Pipelines – die den Transit in den Westen ermöglichen – ein, schreibt das Schweizer Newsportal „swissinfo.ch“. Die Interessen Russlands als wichtigen Energielieferanten müssen berücksichtigt werden, betonte Putin. Das Treffen stand unter keinem guten Stern, noch anfangs April hatte Putin ein erstes geplantes Treffen abgesagt: Der russische Staatsmann zeigte sich verärgert darüber, dass „der wichtige Lieferant Russland“ nicht in das Energiememorandum zwischen der EU und der Ukraine involviert wurde. Das in Brüssel verankerte Abkommen soll die Gründung eines unabhängigen Gasnetz-Betreibers in der Ukraine ermöglichen. Putin stieß sauer auf, dass Russland an der Formulierung des Abkommens nicht beteiligt wurde und bezeichnete das Verhalten der Ukraine und der EU als „unseriös“.
Trotz negativen Vorzeichen, schien das Treffen zwischen Putin und Timoschenko ein positives Ende genommen zu haben: Putin sicherte der ukrainischen Ministerpräsidentin zu, auf eine Konventionalstrafe in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar (1,5 Milliarden Euro) zu verzichten. Der Regierungsspitze in Kiew drohte eine saftige Strafe, weil Ukraine zurzeit deutlich weniger Gas aus Russland bezieht als vertraglich vereinbart. Im Gegenzug erklärte Timoschenko, dass Russland eine „wichtige Rolle“ übernehmen werde bei der Modernisierung ukrainischer Pipelines. Auch beim Bau neuer Atomkraftwerke soll Russland miteinbezogen werden, versicherte die ukrainische Staatsfrau.