Nord Stream – Eine Übersicht
Die Nord-Stream-Pipeline, die im Volksmund auch gerne Ostseepipeline genannt wird, hat sowohl von russischer als auch von deutscher Seite mit dem Bau begonnen. Obwohl die Baumaßnahmen noch nicht sehr weit voran geschritten sind, haben sich die Kosten bereits um 1,4 Millionen Euro erhöht. Dies gibt Anlass für einen kleinen Überblick und eine kleine Prognose für die nächsten Jahre.
Die geplante Gasleitung soll ab 2012 russisches Erdgas durch die Ostsee nach Deutschland transportieren und die Europäische Union jährlich mit bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas versorgen. Die Pipeline entspringt im russischen Wyborg und erreicht ihr deutsches Ende in Lubmin bei Greifswald. In den Handel werden so keine direkten Transitländer miteinbezogen sein, sondern lediglich die Seegebiete in den Wirtschaftszonen Schwedens, Finnlands und Dänemarks durchquert. Ziel ist es, die Energiesicherheit in Europa dadurch langfristig zu sichern.
Genau aus diesem Grund und um erstmals einen direkten Zugang zum europäischen Absatzmarkt zu erhalten, hatte Russland den Bau dieser Pipeline vorgeschlagen. Diese Idee erfreute sich sofort großer Beliebtheit. Die EU hat den Bau der Ostsee-Pipeline seit ihrem Anbeginn unterstützt und das Projekt bereits im Jahr 2000 in den Status eines prioritären Projekts im Programm Transeuropäischer Netze angehoben. Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder unterzeichnete noch im Jahr 2005 zusammen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin den entscheidenden Vertrag.
Der Bau
Inzwischen hat der Bau von deutscher wie russischer Seite begonnen. Während von den Russen bereits konkrete Vorbereitungen zur Verlegung der zweisträngigen Pipeline an Land und im Wasser getroffen werden, laufen auch in Deutschland die Bauarbeiten auf Hochtouren. Exakt zum Ende der Heringlaichzeit beginnen die Baumaßnahmen im Greifswalder Bodden für den vorübergehenden Spundwanddamm, in den später die Rohre gelegt werden sollen. Die Rohre werden per Schiff angeliefert, mit Beton ummantelt (um mit genügend Gewicht am Meeresboden liegen zu bleiben) und paarweise aneinander geschweißt. Pro Tag sollen auf diese Art und Weise 3 km Pipeline gefertigt und verlegt werden. Für die insgesamt 1223 km lange zweisträngige Pipeline werden bis 2012 200.000 Rohre mit einer Länge von jeweils zwölf Metern und einem Gewicht von etwa zwölf Tonnen benötigt. In Deutschland werden jede Woche 15 Güterzüge der Deutschen Bahn, die mit jeweils 100 Rohren beladen sind, zum Fährhafen Sassnitz gefahren. Bis 2012 soll der Bau abgeschlossen sein.
Die Kosten
Nach ursprünglich geplanten 4 Milliarden Euro wurden die Kosten bereits Ende März 2008 auf 7,6 Milliarden Euro geschätzt. Die Architekten haben immer wieder ausdrücklich betont, dass der Bau auf Meeresgrund rund 1,5-mal teurer ist als an Land. Allerdings steht fest, dass sich die Länder Russland und Deutschland durch den Meeresverlauf die teilweise sehr hohen Transitgebühren sparen, die sonst den Transitländern zufließen würden. Obwohl das Projekt ansonsten durch und durch ausgetüftelt zu sein scheint, sind Anfang 2010 erneut zusätzliche Kosten von 1,4 Milliarden Euro publik geworden. Grund dafür seien nicht berücksichtigte Finanzierungskosten, die nicht unter die direkten Projektkosten fließen, aber dennoch zum Bau nötig wären. Für derart unbedeutend angekündigte Maßnahmen eine stolze Summe.
Chancen und Risiken
Nord Stream als länderübergreifendes Infrastrukturprojekt setzt neue Maßstäbe in der Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und Russland. Dadurch bieten sich für beide Partner sowohl einige Chancen für die Zukunft, das Projekt birgt aber genauso eventuelle Risiken in sich. Obwohl prinzipiell eine gegenseitige Abhängigkeit aus der Lieferung von Erdgas (Russland) und dem Export von Maschinen und anderen High-Tech-Produkten (Deutschland) besteht, verurteilen Kritiker die steigende Abhängigkeit Europas von Russland. Aufgrund der russischen Monopolstellung werden zudem ängstliche Stimmen nach ausbleibenden Lieferung laut. Im Jahr 2005 sperrte Russland der Ukraine schon einmal aufgrund von Unstimmigkeiten eine Lieferung, deswegen steigt nach diesen Ereignissen die Skepsis auch bei den EU-Empfängerländern. Im Handel mit Deutschland haben sich die Russen allerdings seit 30 Jahren noch nie was zu Schulde kommen lassen und auch bei so mancher Krise jede Lieferung eingehalten. Deutschland sichert sich durch die Nord Stream vertraglichen Zugang zum russischen Gasvorkommen und dadurch auch so manch strategischen und politischen Vorteil.
Ökologie und Umweltschutz
Obwohl für das gesamte Nord Stream-Projekt extrem hohe Umweltstandards gelten, birgt die Gas-Pipeline durch das Meer stets ökologische Risiken. Hochgiftige Chemikalien, die zum Bau der Pipeline unumgänglich sind, schaden der Meeresumwelt. Zudem sorgen chemische Waffen und weitere gefährliche Rückstände aus dem ersten und zweiten Weltkrieg auf dem Meeresboden für besondere Vorsicht. Die Nord Stream ist dabei stets um höchste Sicherheit und Aufmerksamkeit bemüht.
Günstigeres Erdgas?
Und wie wird sich der Bau der Ostseepipeline auf die Gaspreise auswirken? Laut Günter Öttinger, EU-Energiekommissar, werden die Preise für Erdgas durch einen hierzulande vernünftigen Energiemix nicht steigen, sondern eher konstant bleiben. Bisher sind es also gute Aussichten für den Verbraucher, der die endgültigen Kosten zu tragen hat.